DW Akademie in der Ukraine | Europa/Zentralasien | DW | 25.02.2022
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Europa/Zentralasien

DW Akademie in der Ukraine

Die DW Akademie fördert in der Ukraine seit 2014 Meinungsvielfalt, Media Viability und eine ausgewogene Berichterstattung. Sie unterstützt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der die Bevölkerung im Krieg informiert.

Unabhängige und verlässliche Informationen sind in Kriegszeiten überlebenswichtig. So informiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk UA:PBC die ukrainische Bevölkerung bei Angriffen auch dann, wenn das Alarmsystem nicht funktioniert. Die DW Akademie hält in der aktuellen Situation engen Kontakt zu ihren Mitarbeitenden und Partnerorganisationen in der Ukraine, darunter auch UA:PBC.

Die DW Akademie engagiert sich seit 2014 in der Ukraine. Bis zum Beginn des Krieges im Februar 2022 wurden beispielsweise in den Bereichen journalistische Qualifizierung und gesellschaftliche Teilhabe verschiedene Projekte realisiert. Die DW Akademie arbeitet eng mit ihren Partnern zusammen, um in dieser herausfordernden Situation bestmöglich zu unterstützen und bestehende Projekte an die neue Realität anzupassen.

Die Medienlandschaft in der Ukraine vor dem Krieg 

Die Ukraine hatte sich 2021 im Vergleich zu 2019 in der Rangliste der Pressefreiheit von Reportern ohne Grenzen um einige Plätze verbessert (von Platz 102 zu Platz 97). Schon ab 2014 wurden mit dem Euro-Maidan Änderungen in der Mediengesetzgebung eingeführt, trotzdem kann man noch nicht von Medienpluralismus oder echter Pressefreiheit in der Ukraine sprechen. Fernsehen und soziale Netzwerke sind geprägt von russischer Propaganda und ukrainischer Gegenpropaganda. Öffentlich-rechtliche Medienanstalten sind chronisch unterfinanziert. Journalistinnen und Journalisten werden wiederholt gewalttätig angegriffen. Viele Fälle bleiben ungeklärt, obwohl sich die Aufklärungsrate insgesamt verbessert hat. Die Angst vor Repressalien fördert eine Kultur der Selbstzensur, die seit dem Mord am Investigativ-Journalisten Pawel Scheremet im Juli 2016 zugenommen hat.  

Der Euro-Maidan führte zu Änderungen in der Mediengesetzgebung, wo Erleichterungen im Zugang zu Informationen, die Privatisierung staatlicher und kommunaler Zeitungen sowie die Transparenz der Medieneigentümer gesetzlich verankert wurden. Am 19. Januar 2017 wurde außerdem die staatliche Rundfunkanstalt in einen öffentlich-rechtlichen Sender umgewandelt. UA:PBC („Public Broadcasting Company of Ukraine“) ergänzt seitdem die ukrainische Medienlandschaft durch unabhängige Nachrichten und Informationen, was auch von der Bevölkerung so aufgenommen wird. UA:PBC hat ihre Sender 2019 in „Suspilne“ umbenannt. Suspilne bedeutet auf Ukrainisch „öffentlich“. Heute gehören zu Suspilne zwei nationale Fernsehkanäle sowie drei Radiosender und 24 regionale Ausgabestellen.  

Konkurrieren muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterhin mit den bestehenden nationalen TV-Sendern, die nach wie vor im Besitz von einflussreichen ukrainischen Geschäftsleuten und Politikern sind, die ihre Machtstellung nicht aufgeben wollen. Der Pluralismus konzentriert sich daher stark auf die Interessen der Medienbesitzer und verringert die Möglichkeit für unabhängige Politikerinnen und Politiker, sich in den Medien zu präsentieren. 

Ukrainische Massenmedien können kaum die Wächterrolle in der demokratischen Gesellschaft erfüllen. Folglich sind die Menschen dort häufig Opfer von Desinformation. Ihre Möglichkeiten, sich am öffentlichen Dialog zu beteiligen, sind stark eingeschränkt. Das Vertrauen der ukrainischen Bevölkerung in die nationalen Medien sinkt stetig.  

Gleichzeitig nimmt der Einfluss der Online-Medien, Blogosphäre und Sozialen Medien rasant zu. Für viele Menschen, insbesondere Jugendliche, sind diese Quellen der Information und Orte der Diskussion wichtiger geworden als traditionelle Sender und Zeitungen.  

Unser Engagement 

Gemeinsam mit der Medieninitiative Nakipelo in Charkiw etabliert die DW Akademie ein Novum in der Ukraine - ein journalistisches Volontariat für Nachwuchsredakteurinnen und -redakteure als intensive, praxisorientierte Alternative für die lange, akademische journalistische Ausbildung an Hochschulen. 

Das Ukrainische Institut für Medien und Kommunikation (UIMK) bietet in enger Zusammenarbeit mit der DW Akademie ein didaktisches Fortbildungsprogramm für Hochschullehrkräfte im Bereich Journalismus an. Besonderes Augenmerk liegt auf partizipativen Lehrmethoden. Daneben gibt es das Angebot, ukrainische Hochschulen bei der Modernisierung ihrer Lehrpläne zu beraten. Im Laufe des Programms Journalism Teachers Academy - JTA wird die DW Akademie mit fünf journalistischen Fakultäten ukrainischer Universitäten zusammenarbeiten. 

Die DW Akademie unterstützt die einflussreiche Online-Zeitung Ukrainska Prawda darin, ihre Qualifizierungsangebote im Rahmen der Schule für Wirtschaftsjournalismus für Journalistinnen und Journalisten im Bereich Wirtschaft zu erweitern. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verbraucherjournalismus. 

Ein weiteres Projekt richtet sich an junge Mediennutzerinnen und Mediennutzer. Das Internet ist für sie die wichtigste Informationsquelle, doch fehlt ihnen oftmals die nötige Medienkompetenz, um Desinformation, Propaganda und Cybermobbing zu erkennen und dagegen vorzugehen. Die NRO Inscha Oswita und die Akademie der Ukrainischen Presse bilden mit Unterstützung der DW Akademie außerschulisch Multiplikatoren in Media und Information Literacy (MIL) aus. Diese wiederum befähigen andere, ihren Medienkonsum zu reflektieren und selbst Medieninhalte zu produzieren. 

Mit der Medieninitiative Nakipelo wirbt die DW Akademie für den Ansatz des Consctructive Journalism (CJ), der für eine ausgewogene Berichterstattung inklusive Handlungsoptionen steht. Constructive Journalism ist vor allem in Krisensituationen hilfreich, um detailliert Sachlagen darstellen und Auswege aufzeigen zu können. Die DW Akademie schult Journalistinnen und Journalisten in dieser Form der Berichterstattung und unterstützt sie, CJ-Content zu produzieren. 

Seit Juni 2021 ist die DW Akademie gemeinsam mit Canal France International (CFI) und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Litauens (LRT) mit dem Projekt „MediaFit“ in zehn südöstlichen Regionen aktiv, um mit einem umfassenden Programm unabhängige Medien in den Regionen zu stärken. Das 36-monatige Projekt wird von der Europäischen Union finanziert und vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert. 

Das EU-Projekt „Support to the National Broadcaster of Ukraine” („Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Ukraine”) fördert seit 2017 die Erneuerung und Entwicklung von UA:PBC von einer ehemals staatlichen in eine moderne öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Im Rahmen des Projekts entsteht ein neues crossmediales Nachrichtenzentrum im Herzen Kiews. Die Multimedia-Redaktion kann sich nun auf eine verbesserte Redaktionsstruktur, ein modernes Produktionssystem und hochwertiges Equipment stützen, das von der DW Akademie und BBC Media Action im Rahmen der Förderung beschafft wurde. Für das ukrainische Publikum heißt das: verlässliche Nachrichten schnell und bequem auf allen Kanälen – auf der Website, in sozialen Netzwerken, im Fernsehen und im Radio.  

Zudem hat die DW Akademie UA:PBC bei der Organisationsentwicklung beraten und den Aufbau der Public Media Academy (PMA) unterstützt, die Journalistinnen und Journalisten aus- und fortbildet. In Kiew und Odessa wurden zwei Hubs der Public Media Academy aufgebaut, in denen sich Journalistinnen und Journalisten, Medienschaffende und die aktive Zivilbevölkerung vernetzen können. Sie bieten außerdem viel Platz für Fortbildungen. Kinder und Jugendliche ab elf Jahren können seit Anfang 2020 Kurse für Medienkompetenz in der Public Media Academy Juniors besuchen. Die Europäische Kommission und das Auswärtige Amt fördern dieses Projekt.

 

Mittelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Auswärtiges Amt (AA), EU-Kommission (EU) 

Program Directors: Dr. Kyryl Savin (BMZ), Hélène Champagne (EU) 

Einsatzorte: Kiew, Lwiw, Tscherkassy, Ternopil, Charkiw, Odessa, Dnipro, Tschernihiw, Mykolajiw, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Cherson, Mariupol, Donezk, Luhansk 

Partner vor Ort: Ukrainische öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft UA:PBC, Independent Association of Broadcasters (IAB), Ukrainska Prawda, Bürgermedieninitiative "Nakipelo", Akademie der Ukrainischen Presse (AUP), NGO “Inscha Oswita”, Ukrainisches Institut für Medien und Kommunikation (UIMC) 

Schwerpunkte: Qualifizierung und Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten, Media Viability, Wirtschaftsjournalismus, Gesellschaftliche Teilhabe, (lokale) partizipative Medienangebote und Bürgermedien, Media and Information Literacy (MIL), Professionalität und Netzwerke im Journalismus 

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