Republik Moldau: Wiederentdecktes Bessarabien auf der Leinwand

Eine karge Landstraße, eine Schafsherde im Abendlicht, angetrieben von drei Dorfbewohnern. In einer Küche holt eine alte Frau frischgebackene Brotlaibe aus einem Steinofen und deckt sie mit einem Stofftuch zu. Die ersten Einstellungen des Films versetzen den Zuschauer in eine vergangene Zeit. Es sind Szenen, die sich auch vor 200 Jahren hätten abspielen können. Genau dann, als deutsche Siedler nach Bessarabien kamen und Dörfer wie Marienfeld gründeten. Hier, im Herzen der Republik Moldau, keine 100 Kilometer von der Hauptstadt Chișinău entfernt, spielt der Dokumentarfilm "Nach Hause, nach Marienfeld".
Die Geschichte der Bessarabien-Deutschen ist ein in Vergessenheit geratenes Kapitel, in Deutschland wie auch in den Gebieten des ehemaligen Bessarabiens, in der Republik Moldau und der Ukraine (siehe Karte). In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde ein Großteil der Bessarabien-Deutschen nach Deutschland zwangsumgesiedelt, andere mit Vorrücken der Roten Armee in die Sowjetunion deportiert. Die Nachfahren sind heute in der ganzen Welt verteilt; in Deutschland organisiert ein Verein Heimatreisen in die Dörfer, in denen nur noch sehr vereinzelt Bessarabien- Deutsche leben.
Die Geschichte der Bessarabien-Deutschen ist ein in Vergessenheit geratenes Kapitel, in Deutschland wie auch in den Gebieten des ehemaligen Bessarabiens, in der Republik Moldau und der Ukraine (siehe Karte). In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurde ein Großteil der Bessarabien-Deutschen nach Deutschland zwangsumgesiedelt, andere mit Vorrücken der Roten Armee in die Sowjetunion deportiert. Die Nachfahren sind heute in der ganzen Welt verteilt; in Deutschland organisiert ein Verein Heimatreisen in die Dörfer, in denen nur noch sehr vereinzelt Bessarabien- Deutsche leben.

Begegnung und gemeinsame Heimat
Der Film dokumentiert einfühlsam das Zusammentreffen und die Begegnungen ehemaliger und heutiger Dorfbewohner. Begleitet werden die in Deutschland lebenden Nachfahren Artur Schaible und Olga Schüppel bei ihrem Besuch ihrem Heimatdorf Marienfeld. Sie besuchen Stätten ihrer Kindheit sowie Orte, die sie nur aus den Erzählungen der Eltern kannten. Die moldawischen Bewohner nehmen sie herzlich auf; einige können sich an damals erinnern, als Bessarabien-Deutschein großen schwarzen Autos abtransportiert wurden und verschwanden. Emotionen, die auch dem Filmteam nahe gingen: "Die Bessarabien-Deutschen haben eine so reiche, bewegte Geschichte: Sie wurden von Siedlern zu Vertriebenen. Wir sind stolz, weil der Film es schafft, die vielen verschiedenen Emotionen einzufangen und zu vermitteln", erzählt Teilnehmerin Irina Craciun, Fernsehjournalistin bei TRM.

So wurden zu Beginn des Filmprojekts die Journalisten zunächst praxisorientiert an das Genre Dokumentarfilm herangeführt. In vier Trainingsmodulen erlernten sie im Laufe des vergangenen Jahres die unterschiedlichen Schritte des Filmemachens: vom Konzept, der Recherche, dem Dreh bis bin zum Feinschnitt. "Für die Teilnehmer war die Umstellung von Fernsehjournalismus auf dokumentarisches, szenisches Erzählen eine große Herausforderung", berichtet Irene Langemann, vor allem auch, weil das Genre Dokumentarfilm in der Republik Moldau an Bedeutung verloren habe. "Mir hat die Arbeit am Film ganz neue Ausdrucksmittel aufgezeigt. Zum Beispiel war ich beeindruckt, wie wichtig Geräusche für die Stimmung sind: Sogar verlassene Häuser haben Geschichte geatmet, was wir für den Film einfangen konnten. Das Lernen von Herangehensweise und Komposition eines Films wird mir in meiner Arbeit als Fernsehjournalistin sehr weiterhelfen", so Irina Craciun, die als Producerin und Autorin am Film mitwirkte.

"Nach Hause, nach Marienfeld" ist eine vom Auswärtigen Amt finanzierte Produktion von Teleradio Moldova. Die Vorbereitungs- und Trainingsmodule für die Filmarbeiten wurden von April bis Dezember 2013 durch die DW Akademie durchgeführt. Die Uraufführung fand am 12. Mai 2014 im Kino Gaudeamus in Chișinău statt. Seitdem wurde der Film mehrfach im moldawischen Fernsehen ausgestrahlt.
