DW-Volos in Neu-Delhi

Die Volontärin Shubhangi Derhgawen berichtet seit Januar aus dem DW-Studio Neu-Delhi. Bei der Recherche vor Ort stieß sie auf einige Hindernisse.

Shubhangi Derhgawen, Manuela Kasper-Claridge, Adil Bhat
Volontärin Shubhangi Derhgawen (links) mit Manuela Kasper-Claridge, ehem. Editor-in-Chief der DW, und Indien-Korrespondent Adil Bhat.Bild: DW

Shubhangi Derhgawen 

Was sind Deine Aufgaben im DW-Studio Neu-Delhi? 

Ich habe hier bisher eng mit den DW-Korrespondenten zusammengearbeitet und gemeinsam TV- und Online-Beiträge entwickelt. Meine Hauptaufgaben sind, längere Berichte in vertikale Social-Media-Formate zu verwandeln, Stimmen einzufangen und eigene Beiträge zu produzieren.  

Im Wesentlichen arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Berichterstattung und plattformspezifischem Storytelling und stelle sicher, dass hochwertiger Journalismus funktioniert - unabhängig von der Plattform, auf der er stattfindet.  

Was hat Dich bisher in Indien am meisten überrascht? 

Eine große Überraschung war sicherlich die andere Geschwindigkeit und auch das Verhandlungsgeschick, das Journalismus hier oft erfordert. Ich habe schon in der Vergangenheit in Indien als Reporterin gearbeitet. Trotzdem habe ich mich während meiner kurzen Zeit in Deutschland daran gewöhnt, dass der Austausch mit öffentlichen Ämtern strukturiert und einigermaßen vorhersehbar abläuft.  

Hier in Indien fällt mir auf, wie undurchsichtig das System manchmal ist. Oft braucht es Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen, mehrfaches Nachhaken und am Ende hilft manchmal nur persönliches Erscheinen, um an bestimmte Informationen zu gelangen. Das ist herausfordernd, aber es schärft auch den Verstand. 

Was war bisher Dein intensivster Moment? 

Die staatlichen Behörden um eine offizielle Stellungname bitten. Ich bin es gewohnt, häufig nachfragen zu müssen, aber in diesem Fall fühlte es sich besonders komplex an, als würdest du von außen versuchen, in ein geschlossenes System einzudringen. Die Spannung zwischen öffentlichem Interesse und behördlichem Schweigen kannst du als Reporterin am eigenen Leib erfahren. Es war frustrierend, aber solche Erfahrungen können dich auch erden.   

Welche praktischen Fähigkeiten hast Du bisher gelernt?

Der Aufenthalt hier hat mein Selbstbewusstsein durchweg gestärkt. Konzeptentwicklung, Skripte schreiben, Videodreh, Schnitt – all das konnte ich hier vertiefen.  Obwohl ich Unterstützung beim Filmen hatte, konnte ich in Neu-Delhi auch wertvolle Erfahrungen im Umgang mit der Kamera sammeln.  

Ich fühle mich nun wirklich sicher als Videojournalistin, die komplette Storytelling-Dienstleistungen anbieten kann, von der Idee bis zum fertigen Schnitt. 

An welchen Projekten arbeitest Du in der nächsten Zeit? 

Aktuell arbeite ich an einem Bericht über die überlebenden Opfer von Säure-Angriffen – und thematisiere dabei, dass viele von ihnen nach indischem Recht vom Schutz für Menschen mit Behinderung ausgeschlossen sind. Gleichzeitig arbeite ich an einer Geschichte, die sich mit dem Kontrast auseinandersetzt zwischen nicht genehmigten Wasserleitungen für lokale Gemeinden und dem rapiden Infrastruktur-Ausbau für KI-Datenzentren. Beide Geschichten beschäftigen sich mit systemischen Problemen, eines hat mit der Rechtsgrundlage zu tun, das andere mit Infrastruktur, aber beide stellen die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt.   

Was steht noch auf Deiner To-Do-Liste für Indien? 

Ich will für einen Beitrag die komplette Kamera-Arbeit übernehmen, entweder für einen eigenen Beitrag oder den einer Kollegin oder eines Kollegen. Ich habe berichtet, geschrieben, Beiträge geschnitten. Jetzt möchte ich die visuelle Sprache eines Beitrags vollständig beherrschen und damit für mich den Kreis schließen.