DW-Volos in Riga: Berichterstattung bei -20 Grad Celsius

Nicholas Counter ist Volontär der DW und arbeitet seit Anfang Januar im DW-Studio Riga. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen – auch von Momenten, auf die ihn kein Training hätte vorbereiten können.

Lettland Riga | Beschlagnahmte Autos betrunkener Fahrer werden an die Ukraine gespendet
Nicholas Counter (rechts) und Jānis Nebars vom lettischen Department of Seized Properties and Resource Management. Im Gespräch ging es um beschlagnahmte Fahrzeuge betrunkener Fahrer, die an die Ukraine gespendet werden sollen. Bild: DW

Nicholas Counter 

Was sind Deine Hauptaufgaben im Studio Riga? 

Ich lerne hier die Korrespondententätigkeit, dabei habe ich schon verschiedene Live-Schalten und TV-Berichte gemacht. Aber ich unterstütze auch bei Videoaufnahmen und führe Interviews, zum Beispiel für den Piloten zu einer neuen Serie.  

Was hat Dich in Riga bisher am meisten überrascht? 

Ich war tatsächlich überrascht, und zwar auf eine gute Weise, wie viel wir hier als Volontäre selbstständig produzieren dürfen. Wir werden als Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen und erhalten gleichzeitig den Raum, uns auszuprobieren und Neues zu lernen. Das war dort, wo ich bisher gearbeitet habe, definitiv nicht immer so.  

Was war Dein bisher intensivster Moment?

An meinem dritten Tag hier habe ich direkt meine erste Live-Schalte gemacht – über einen Öl-Tanker, der von der US-Regierung festgesetzt, weil er im Verdacht stand, zur russischen Schattenflotte zu gehören. 

Das war ziemlich angsteinflößend – unser TV-Training war zu diesem Zeitpunkt mehr als sieben Monate her und ich fühlte mich ziemlich eingerostet. Man sieht mir die Nervosität im Video deutlich an, aber seitdem ist es bei jedem Mal einfacher geworden!   

Ukraine Kyjiw | Live-Schalte zum Beginn direkter Gespräche zwischen Russland, Ukraine und den USA
Live-Schalte zum Beginn der direkten Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA: Rebecca Ritters (Kyjiv), Eddy Micah Jr. (Berlin) und Nicholas Counter (Riga) (von links) Bild: DW

Welche praktischen Fähigkeiten nimmst Du mit? 

So ziemlich alles, was ich bisher hier gemacht habe, war eine praktische Anwendung der Dinge, die wir im Volontariat gelernt haben. Live-Schalten, TV-Berichte, die Arbeit mit der Kamera, Social-Media-Videos. Das alles kommt jetzt hier zusammen. Ganz nebenbei habe ich auch noch gelernt, mehrere Monate bei -20 Grad Celsius zu überleben. Darauf kann dich kein Seminar der Welt vorbereiten.  

An welchen Projekten arbeitest Du in den nächsten Wochen? 

Aktuell arbeite ich an einem TikTok-Video, in dem virale Falschinformationen entkräftet werden. Bald reise ich außerdem mit dem Team nach Litauen, um an der ersten Folge einer neuen Serie zu arbeiten. Sie handelt davon, wie sich das Leben in den baltischen Staaten seit dem russischen Angriff auf die Ukraine verändert hat.  

Litauen | Gruppenfoto an der litauisch-belarussischen Grenze mit den Freiwilligenkräften
Juri Rescheto (Riga Bureau Chief), Nicholas Counter (DW-Volontär), Tadas Račkauskas (Producer), Daniils Žilisnkis (Kameramann) nahe der litauisch-belarussischen Grenze bei einem Dreh mit den litauischen National Defence Volunteer Forces (NDVF) (von links) Bild: DW

Was steht vor der Heimreise noch auf Deiner To-Do-Liste? 

Inzwischen habe ich hier schon einige Dinge zum ersten Mal gemacht: alle drei baltischen Staaten besucht, ich war Skifahren, in einer russischen Sauna (mit einer angeschlossenen russischen Disco), bin über das gefrorene Meer gelaufen und habe auf einem Schießstand in Estland zum ersten Mal ein Gewehr abgefeuert… Gerade fällt es mir schwer etwas zu finden, das auf dieser Liste noch fehlt!