Westbalkan: Jugendmedien gründen Netzwerk

Beim Brave New Media Forum 2021 haben zehn Jugendmedien den Grundstein für ein gemeinsames Young Media Network auf dem Westbalkan gelegt.

Gruppenfoto von jungen Medienschaffenden mit Mund-Nase-Masken, entstanden im August 2021
Teilnehmende des Young Media Lab, einer Netzwerkveranstaltung der DW Akadmie für Vertreterinnen und Vertreter von Jugendmedien auf dem Westbalkan im August 2021Bild: Darko Radovac/DW

„Endlich haben Jugendliche eine regionale Plattform, mit der sie sich auf dem Medienmarkt stärker positionieren“, sagt Adna Kepeš. Die Studentin ist seit drei Monaten Chefredakteurin von Radio Active. Der Bürgersender macht Programm für junges Publikum, ist allerdings nur in der bosnischen Stadt Zenica zu empfangen. In der 70 Kilometer entfernten Hauptstadt Sarajevo, wo die meisten jungen Bosnierinnen und Bosnier studieren, ist Radio Active kaum bekannt. In Nachbarländern wie Serbien und Montenegro schon gar nicht, obwohl es keine Sprachbarriere gibt. 

Porträt von Adna Kepeš
Adna Kepeš, Chefredakteurin des Bürgersenders "Radio Active" in Zenica, Bosnien Bild: privat

Das soll sich mit der Gründung des „Young Media Network“ für den Westbalkan ändern: Hier machen nicht nur bosnisch-herzegowinische Jugendmedien wie Karike mit, sondern auch öffentlich-rechtliche Sender, Studierendenportale und Lokalmedien aus Serbien und Montenegro. Die zehn Medien wollen Programminhalte austauschen und gemeinsam neue Formate entwickeln, in denen junge Menschen aus allen drei Ländern über aktuelle Themen wie die Pandemie, Umweltschutz oder Hassprache diskutieren. Einzeln sind die Jugendmedien klein – zusammen erreichen sie junges Publikum auch in entlegenen Winkeln der Region. 

Jungen Menschen eine Stimme geben  

Beim diesjährigen Brave New Media Forum der DW Akademie haben die zehn Redaktionen ein erstes gemeinsames Abkommen unterzeichnet. In den kommenden Wochen werden sie an den Statuten feilen, dann wird das Young Media Network offiziell gegründet.

Porträt von Danica Kovačević
Danica Kovačević vom montenegrinischen Jugendportal Makanje Bild: privat

Danica Kovačević vom montenegrinischen Jugendportal Makanje sieht das als Meilenstein: „Für uns ist es sehr, sehr wichtig, in diesem Netzwerk dabei zu sein und mit anderen Medien zusammenzuarbeiten, die, wie wir, jungen Menschen eine Stimme geben.“  

Logistische und juristische Unterstützung bekommen die Jugendmedien vom serbischen Medienverband Local Press, einem Partner der DW Akademie. „Ich bin, ehrlich gesagt, beeindruckt“, sagt Generalsekretärin Snežana Milošević. „Sie wollen territoriale Grenzen überwinden, Jugendliche in der Region zusammenbringen und Hetze und Desinformation bekämpfen. Davon können wir erfahrene Journalisten uns eine Scheibe abschneiden.“  

Junge Medienschaffende in einer Workshopsituation mit Zettel und Stift
Vor der Gründung des Netzwerks haben Vertreterinnen und Vertreter der Jugendmedien im Young Media Lab Ideen für die Zusammenarbeit entwickelt Bild: Darko Radovac/DW

Gemeinsam Finanzquellen erschließen  

Darüber hinaus könnte das Netzwerk für seine Mitgliedsmedien neue Finanzquellen auftun. „Vereint sind die Medien attraktiver für Investoren und Werbekunden, aber auch für Projektfinanzierung“, sagt Vanda Kučera, die im Vorstand des serbischen Dachverbands der Marketing-Agenturen sitzt. „Eine kollektive Stimme ist eben lauter und entfaltet in jeder Hinsicht eine größere Wirkung.“

Logo des neu gegründeten Young Media Network auf dem Westbalkan
Logo des neu gegründeten Young Media Network auf dem Westbalkan Bild: Young Media Network

Auch die OSZE-Mission in Serbien, die Co-Organisatorin des jährlichen Brave New Media Forums, begrüßt den Zusammenschluss. „Wir sehen dieses Netzwerk als wichtigen zukünftigen Akteur, um ethische, professionelle und kommerzielle Standards in Jugendmedien durchzusetzen“, sagt Srdjan Djurdjević vom OSZE-Medienreferat. „Deshalb werden wir die Aktivitäten des Young Media Network unterstützen.“  

Das Projekt "Junge Medien", das die Gründung des Young Media Network unterstützt, wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Das Brave New Media Forum fand in Kooperation mit der OSZE-Mission in Belgrad statt.