Wie MIL4Women in Ghana Frauenkooperativen stärkt

Falschinformationen in den Sozialen Medien können das Leben von Betroffenen radikal verändern. Laut Penplusbytes, einem Partner der DW Akademie, wurden während der letzten Wahlen in Ghana fast 8 von 10 irreführende Narrative über Facebook, WhatsApp, TikTok und X verbreitet. Für Frauen in ländlichen Gebieten, wo digitale Medien oft die Hauptnachrichtenquelle sind, steht noch weit mehr auf dem Spiel.
Gegen manipulierte Bilder und erfundene Zitate
In Ghana greift die DW Akademie das Problem mit dem Projekt MIL4Women auf, um die kritische Medienkompetenz (engl. Media and Information Literacy / MIL) zu fördern. Im Mittelpunkt steht ein Train-the-Trainer-Ansatz: Sogenannte Community-Moderatorinnen und -Moderatoren lernen in Workshops, wie sie Falsch- und Desinformation im Alltag erkennen und was sie dagegen tun können. Anschließend geben sie ihr Wissen an lokale Frauenkooperativen weiter.
Im Mittelpunkt stehen dabei lokal brisante Themen wie Gesundheitsfragen, Marktpreise oder Gerüchte rund um die Wahlen oder das Wetter. "Das Ziel ist, ein starkes Netzwerk aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufzubauen, die MIL in Bezug auf lokale Themen und Bedürfnisse vermitteln", erklärt Osman Abubakari-Sadiq, Projektmanager der DW Akademie für Ghana. "Wir arbeiten dazu mit Menschen zusammen, die ihre Communities gut kennen und die ihre Medienkompetenz später selbstbewusst und fachkundig weitergeben."
Wie Medien ticken
Die MIL4Women-Treffen vermitteln fundiertes Wissen über die Medienlandschaft und sind gleichzeitig praxisorientiert: die Teilnehmenden lernen verschiedene Aspekte der Medienproduktion kennen, von den Eignerstrukturen und der redaktionellen Gestaltung bis hin zur Funktionsweise von Informationsökosystemen und kommerziellen Mechanismen. Sie befassen sich auch mit Quellen-Prüfung und digitaler Sicherheit.
Lokal und verständlich
In Ghana sind Frauenkooperativen Orte des täglichen Austauschs. Hier teilen sie ihr Wissen, organisieren die Kinderbetreuung gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig. Insofern boten sich die Kooperativen auch für die Medienkompetenztrainings von MIL4Women an. "Frauen leiten Märkte, sie stehen Genossenschaften, Haushalten und Gemeindegruppen vor. Es ist von strategischer Bedeutung ihr Wissen zu stärken", betont Osman. "Wenn Frauen Kompetenzen erwerben, profitieren anschließend ganze Gemeinschaften davon."
Die MIL-Trainerinnen und -Trainer berichten von spürbaren Veränderungen. So gebe es in ihren Gruppen bereits weniger Gerüchte, unaufgeregtere Reaktionen auf provokative Inhalte und ein Bewusstsein dafür, Inhalte kritisch zu prüfen, bevor man sie verbreitet.
Spürbare Veränderungen
Karim Alima aus Kasalgu im nördlichen Ghana berichtet, wie das Training ihren Alltag verändert hat: "Früher habe ich Informationen meist für bare Münze genommen und entsprechend gehandelt. Jetzt warte ich erst einen Moment ab, stelle Fragen oder gleiche die Information mit einer vertrauensvollen Quelle ab, bevor ich sie in meine Entscheidungen einbeziehe."
Abubakari-Sadiq beobachtet andernorts ähnliche Veränderungen. "Die Moderatorinnen und Moderatoren sind viel selbstbewusster in ihrem Auftreten, sie haben ein besseres Verständnis für kritische Medienkompetenz und erkennen, wie wichtig sie für die eigene Arbeit ist. Frauen, die an den Trainings teilgenommen haben, haben ein besseres Verständnis für Themen wie Fehlinformation, mediale Voreingenommenheit, Betrug und Gerüchte, die ihr Leben beeinflussen können".
MIL4Women stärkt auch langfristig das Ansehen der Community-Moderatorinnen und -Moderatoren. Sie lernen, Lernergebnisse zu dokumentieren, Feedback zu sammeln und Nachweise über die durchgeführten Maßnahmen zu führen – darunter Anwesenheitslisten, Foto-Dokumentationen von Sitzungen und Beobachtungen zum Verhalten der Gruppe vor und nach den Treffen. Dies stärkt lokalen Partnerschaften und ermöglicht es, das Modell auf andere Regionen zu übertragen.
Kritisches Denken
Erfundene Inhalte, die die öffentliche Meinung beeinflussen, bleiben aber eine Herausforderung. Für die Workshop-Teilnehmerinnen in Siriyiri im Nordwesten Ghanas ist kritisches Denken der entscheidende Schritt. "Wenn ich Informationen erhalte, setze ich mich hin und analysiere sie, bevor ich sie weitergebe", sagt Zeimpa Summabo. Der simple erste Schritt, innezuhalten und zu hinterfragen, ist nach wie vor eine der wirksamsten Abwehrmaßnahmen gegen Manipulation.
Inzwischen wurden für das Projekt mehr als 340 Frauen in kritischer Medienkompetenz geschult. Osman Abubakari-Sadiq findet das ermutigend: "Sowohl die Community-Moderatoren als auch die Teilnehmerinnen der Trainings prüfen Inhalte, bevor sie sie teilen, insbesondere auf WhatsApp", stellt er fest. "Ihnen ist stärker bewusst, dass Fehlinformationen nicht nur die großen politischen Themen betreffen, sondern auch Alltägliches. Die Teilnehmerinnen fragen immer häufiger: ‚Wer hat das gesagt? Woher kommt das?‘ Diese kleinen, aber stetigen Veränderungen zeigen, dass das Projekt funktioniert."
MIL4Women war ein dreimonatiges Projekt der DW Akademie, das inzwischen abgeschlossen ist. Es wurde finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).


