Eine digitale Lernplattform für pakistanische Journalisten

Die Nachrichten dieser Tage in Pakistan lassen Journalistinnen und Journalisten keine Zeit zum Durchatmen.
Da sind zum einen Handelsverhandlungen mit den USA, die anhaltenden Spannungen, aber auch ein wichtiges Wasserabkommen mit Indien, und die unsichere Grenze zum Iran. Um zu diesen Themen aktuell zu berichten und dabei auch lokale Ereignisse nicht zu vernachlässigen, benötigen Journalistinnen und Journalisten umfassendes Wissen im Umgang mit digitalen Medien – und schnelle Recherchefähigkeiten. Doch wie können Reporterinnen und Reporter in dieser stressigen Zeit auch ihre Fähigkeiten den neuen Gegebenheiten anpassen?
Shehnaz Yousafzai, eine paschtunische Journalistin, die für das Tribal News Network in Pakistan arbeitet, wollte bei ihrer Arbeit effizienter werden – und suchte nach Weiterbildungen. Doch der "Zugang zu Trainingsmöglichkeiten", so sagte sie, "ist insbesondere für Frauen sehr eingeschränkt."
In Pakistan war die Journalismus-Ausbildung lange Zeit mit konventionellen Workshops und Trainingsmethoden verknüpft, die ausschließlich in persona stattfanden. Doch diese sind teuer und schwer zugänglich für Journalistinnen und Journalisten in abgelegenen Regionen.
Und obwohl einige Trainingsinhalte bereits auf Plattformen wie YouTube existieren, fehlen diesen häufig Struktur, die Möglichkeit zur Interaktion sowie Verlässlichkeit und regelmäßig Updates.
Um dem entgegenzutreten, hat die DW Akademie mediaviability.com entwickelt, eine interaktive E-Learning-Plattform, die Grundlagen von Berichterstattung und Videoschnitt vermittelt. Sie ist in mehreren lokalen und regionalen Sprachen Pakistans verfügbar. Für Yousafzai ist die Plattform eine große Unterstützung.

"Es ist eine unschätzbar wertvolle Ressource", sagte sie. "Die E-Learning-Kurse haben mir geholfen, viele Hürden zu überwinden und die Werkzeuge und Strategien an die Hand gegeben, um innovativ zu sein, nachhaltige Medienpraktiken umzusetzen und das Publikum im digitalen Umfeld effektiver einzubinden."
Nachweisbarer praktischer Nutzen
Laut Asif Khan, Vertreter der DW Akademie in Pakistan, gelingt es der Initiative "die zentralen Aspekte und Dynamiken regulärer Trainings abzubilden. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit des selbstgesteuerten Lernens, unterstützt durch interaktive und mediale Übungen und Instrumente, um die eigene Leistung zu überprüfen."
Dabei erhalten die Lernenden nicht nur Unterstützung durch strukturierte Module, außerdem werden Zertifikate und Fortschrittsberichte bereitgestellt. Dies, so Khan, stärke zusätzlich den praktischen Nutzen und die Motivation.

Die Initiative ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der DW Akademie, dem Tribal News Network und Individualland im Rahmen des Projekts "Journalismus der Zukunft", finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Gemeinsam haben die Organisationen eine Plattform entwickelt, die auf die täglichen Bedarfe von Medienschaffenden und digitalen Medienunternehmen eingehen, und dabei Themen aufgreifen wie Ertragsgenerierung, Konstruktiver Journalismus, Fact Checking, Podcast-Produktion und Berichterstattung zu Klima-Themen, künstlicher Intelligenz oder Diversität im Newsroom.

Der Erfolg gibt der Plattform recht: bereits zwei Monate nach Veröffentlichung wurden die Kurse 382 Mal von 60 Journalistinnen und Journalisten aus 19 Medienorganisationen bearbeitet. Sie kommen aus den Gebieten Khyber Pakhtunkhwa, Belutschistan, Punjab, Sindh und anderen Stammesregionen.
Nicht nur für Lernende, auch für Trainer eine nützliche Ressource
Im Verlauf der Entwicklung der Lernplattform zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: auch die Kursentwicklerinnen und -entwickler selbst profitierten von den erworbenen Fähigkeiten. Viele der erfahrenen Journalismustrainerinnen und -trainer hatten bis zu diesem Zeitpunkt selbst noch keine digitalen Lernkurse entwickelt. Durch das gezielte Training und die Unterstützung der DW Akademie lernten die Expertinnen und Experten nicht nur die Grundlagen der digitalen Kursentwicklung sondern bauten gleichzeitig ihr erstes Online-Training.
Afia Salam, eine langjährige Journalistin bei Individualland, entwickelte so einen Kurs zum Thema Klima-Berichterstattung für Medienschaffende mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz. Dabei wurde ihr klar, wie schwer es sein kann, komplexe wissenschaftliche Themen für ein TV- und Hörfunkpublikum aufzubereiten, selbst wenn diese grundsätzlich für das Thema empfänglich sind. Aus diesem Grund setzte sie auf die Unterstützung von Expertinnen und Experten, um über Pakistans mögliche Anfälligkeiten für den Klimawandel zu diskutieren.
"Viele Journalistinnen und Journalisten bleiben bei ihren Recherchen an der Oberfläche. Daher wollte ich ihnen möglichst viele Quellen zur Verfügung stellen, besonders in der Sprache Urdu, da die meisten von ihnen in dieser Sprache arbeiten", sagte sie.
"Ich habe dabei versucht, sie mit denjenigen zu vernetzen, die die wissenschaftliche, politische, diplomatische und wirtschaftliche Dimension erklären können, sodass sie bei ihrer Arbeit in den verschiedenen Ressorts das Thema Klimawandel einbeziehen können."

Effektivität durch innovative Methoden
Die Plattform, so Khan, sei besonders, da sie modernes E-Learning-Design mit lokalen Bedarfen verknüpfe. Die Kurse basieren auf den Grundlagen des pakistanischen Mediensystems und nutzen gleichzeitig aktuelle digitale Instrumente, unter anderem künstliche Intelligenz, die Aspekte wie Personalisierung und Interaktivität unterstützen.
So stellt beispielsweise die Monetarisierung der Medien eine große Herausforderung in Pakistan dar, vor allem für kleinere Medienplattformen, erklärte Shereen Karim, Reporterin für WomenTV.
"Durch das Training habe ich gelernt, wie wir anhand von Marken, Werbung und Kollaboration Geld verdienen könnten", sagte sie. KI-Werkzeuge, ergänzte sie, könnten ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen dabei helfen, schneller zu berichten und so Zeit und Geld zu sparen.
"Wir können weder neue Mitarbeitende einstellen, noch höhere Gehälter zahlen", sagte sie. "KI hilft uns, mehr Arbeit mit weniger Personal zu schaffen".

Dabei betonte Karim besonders, dass die Trainings für Journalistinnen und Journalisten wie sie selbst entwickelt wurden, die in abgelegenen Gegenden leben.
"Ich arbeite in Gilgit-Balistan", sagte sie. "Es wird immer eine Herausforderung bleiben, kleine Medien in Gegenden zu betreiben, die unterrepräsentiert sind, daher suchen wir immer nach Weiterbildungsmöglichkeiten, die uns helfen, unsere Arbeit effizienter zu gestalten."
Das Projekt mediaviability.com der DW Akademie wird unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der Zugang ist derzeit auf eine ausgewählte Gruppe von Journalistinnen und Journalisten beschränkt.





