Mongolei: Ein inklusives Projekt für die Zivilgesellschaft

„In einem sind wir alle gleich - gehörlose und hörende Menschen,” sagt Unurchuluun Mashbat, „wir sind schnell gefesselt von schlechten Nachrichten. Gute Informationen bemerken wir kaum.” Mashbat ist gehörlos und arbeitet als Videoredakteur bei der Nichtregierungsorganisation „Gehörlosenbildung”, die die mongolische Gebärdensprache vermittelt und für die Rechte und Sichtbarkeit gehörloser Menschen eintritt. Er nimmt teil am Projekt „Voices for Change” des mongolischen Medienrats und der DW Akademie.
Menschen mit guten, zuverlässigen Informationen zu erreichen, ist ein Ziel des EU-finanzierten Projekts. „Voices for Change” will die mongolische Zivilgesellschaft stärken, indem es zivilgesellschaftliche Organisationen widerstandsfähiger, effizienter und erfolgreicher macht: Nur wenige von ihnen sind wirtschaftlich tragfähig, es mangelt an Vertrauen und Rückhalt aus der Bevölkerung, gleichzeitig versucht die Regierung durch strengere Gesetze mehr Transparenz zu erreichen.
Vertrauen wieder gewinnen
Unter anderem mit Medientrainings und Netzwerktreffen begegnet „Voices for Change” diesen Problemen. Die teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen lernen, professionell und publikumswirksam über ihre Arbeit berichten – vor allem auf Social Media und in Zusammenarbeit mit Medien. Die Prämisse: Eine funktionierende Zivilgesellschaft ist in einer Demokratie unerlässlich. Ihr Vertrauensproblem können Organisationen anpacken, indem sie offen, ehrlich und professionell über ihre Arbeit und Ziele informieren.
Unter den Teilnehmenden sind auch Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen – sie selbst sind unter anderem gehörlos.
„Meine Erfahrungen in dieser Gesellschaft sind negativ”

Menschen mit Behinderungen erfahren in der Mongolei bei weitem nicht die gesellschaftliche Teilhabe, die ihnen zusteht. Laut den Vereinten Nationen hatten 2023 zum Beispiel 36 Prozent der Kinder mit Behinderungen keinen Zugang zu Bildung – mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Zukunftsperspektive.
Auch für Mashbat gehört Diskriminierung zum Alltag: „Vom Gang zum Arzt bis zum Kontakt mit Behörden – meine Erfahrungen in dieser Gesellschaft sind negativ,” sagt er. Bei „Voices of Change” machte Mashbat eine neue: „Die hörenden Teilnehmenden mussten sich erst auf diese Situation einstellen, aber sie waren entgegenkommend”, erzählt er. In allen Workshops haben Gebärdendolmetscher und –dolmetscherinnen übersetzt.

Für Teilnehmerin Elberel Davaa hat der inklusive Ansatz des Projekts für eine Überraschung gesorgt: „Ich arbeite in einer NGO und setze mich für Menschenrechte, Gleichberechtigung, Verständnis und Akzeptanz ein – und trotzdem hatte ich keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte. Ich war vorher noch nie zusammen mit einer behinderten Person in einem Schulungsraum. Das hat mir die Augen geöffnet.”
Wege zum Miteinander finden
Davaa hat zur Teilnahme motiviert, dass sie mehr über die professionelle Zusammenarbeit mit Medien erfahren wollte. „Ich denke, ich spreche für viele Organisationen, wenn ich sage, dass es uns an Kapazitäten und Wissen mangelt.” Mashbat sieht ein zusätzliches Problem: „Wir Gehörlose sind beim Zugang zu Informationen immer hintenan”, sagt er. „Wir sind abhängig. Wir sind auf die Kapazitäten und Fähigkeiten der Menschen um uns herum angewiesen.”
Wie wichtig es ist, dass die Mehrheit der Gesellschaft Menschen mit Behinderungen sieht und mitdenkt, ist auch Davaa, die als Projektmanagerin beim mongolischen Zentrum für Wählerbildung arbeitet, noch einmal klarer geworden: „Es liegt auch in meiner Verantwortung, sie mit einzubeziehen, wenn ich eine gleichberechtigte Kommunikation, Teilhabe und Zusammenarbeit anstrebe.”

