Medien- und Informationskompetenz in Konfliktregionen

Desinformation in Konfliktgebieten kann fatal sein. Areena Omar im Jemen und Hania Bitar in den Palästinensischen Gebieten diskutieren ihre Ansätze zur Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz.

Jordanien Amman | Medien- und Informationskompetenz-Expertin Hania Bitar
Bild: JMI/Jordan Media Institute

Areena Omar im Jemen und Hania Bitar in den Palästinensischen Gebieten leben und arbeiten in einem komplexen sozialen, politischen und medialen Umfeld. Beide haben festgestellt, dass Medien- und Informationskompetenz (MIL) Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen kann, kritisch über die Nachrichten nachzudenken, die sie lesen und hören. 

Die beiden Frauen trafen sich Anfang Dezember zum ersten Mal bei einem MIL-Treffen der DW Akademie in Amman, Jordanien. Obwohl sie in unterschiedlichen Kulturen leben, verbindet sie vieles in ihrer Arbeit. Das Treffen in Amman bildete den Abschluss einer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanzierten dreijährigen Strategie der DW Akademie für Jordanien und die Palästinensischen Gebiete. Ziel war es, neue Wege der Zusammenarbeit für Partnerorganisationen in beiden Ländern sowie im Jemen zu finden.  

Areena ist Geschäftsführerin der jemenitischen Organisation Media Sac , einem Partner der DW Akademie, die sich auf Medienentwicklung und Interessenvertretung für Gemeinschaften konzentriert. Hania ist Generaldirektorin der Palestinian Youth Association for Leadership and Rights Activation (PYALARA) und wurde kürzlich als Vertreterin für die Region der arabischen Staaten in den globalen Vorstand der MIL Alliance der UNESCO berufen. An dem Treffen nahmen auch das Jordan Media Institute (JMI)und die jordanische Family and Childhood Protection Society (FCPS) sowie The National Organization of Yemeni Reports (SADA) teil.

Jordanien Amman 2025 | Areena Omar, media and information literacy (MIL) trainer at MIL conference

DW Akademie: Was war Ihr erster Eindruck, als Sie sich im Dezember bei der MIL-Veranstaltung begegnet sind? 

Areena Omar: Ich war beeindruckt von Hanias Engagement für MIL und ihrem differenzierten Verständnis der Herausforderungen in den palästinensischen Gebieten. Ich hatte mich auf Jugendliche und Frauen im Jemen konzentriert, Aufklärungskampagnen und Bildungsworkshops durchgeführt und Inhalte erstellt, um Menschen dabei zu helfen, Nachrichten und Informationen kritisch zu analysieren. Durch die Begegnung mit Hania wurde mir klar, wie ähnliche Herausforderungen und Lösungen trotz unterschiedlicher Umstände in verschiedenen Kontexten Resonanz finden können.  

Hania Bitar: Zuerst fand ich Areena ziemlich ruhig – das Gegenteil von mir! Aber unser Gespräch erinnerte mich daran, dass ich nach meinem Universitätsabschluss als Professorin gearbeitet hatte, was mir aber nicht reichte. Also fing ich an, meinen Traum zu verwirklichen, einen Raum für junge Palästinenserinnen und Palästinenser zu schaffen, in dem sie ihre Ideale und Meinungen äußern und sich für ihre Anliegen einsetzen können. Nach einigen Jahren gründete ich eine Zeitung für junge Menschen, erkannte dann aber, dass ich auch eine Dachorganisation brauchte. Daraus entstand PYALARA. Am Anfang hatte ich eigentlich kein Gehalt. Das ähnelt Areenas Erfahrung. Sie stand vor ähnlichen Herausforderungen wie ich, darunter Misstrauen seitens der Regierung und der Gesellschaft, weil wir Frauen sind. 

Jordanien Amman | Medien- und Informationskompetenzexpertin Hania Bitar

Areena Omar: Stimmt! Ich habe tatsächlich geweint, als wir endlich eine Einzimmerwohnung für unsere Organisation mieten konnten. Wir hatten keine Möbel und entwickelten unsere ersten Projekte, während wir mit unseren Laptops auf dem Teppich saßen. 

Was war Ihr Eindruck vom MIL-Treffen?

Areena Omar: Ich fand das Treffen inspirierend, da es engagierte Kollegen aus der gesamten Region zusammenbrachte und praktische Instrumente, innovative Ansätze und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bot. Es hat mir geholfen, darüber nachzudenken, wie MIL-Strategien auf den Jemen angepasst werden können, insbesondere um Frauen und Jugendliche in Gebieten mit begrenztem Zugang zu verlässlichen Informationen zu erreichen.

Hania Bitar: Es ist sehr wichtig, Menschen zusammenzubringen, insbesondere im Nahen Osten. Wir haben nicht viele Gelegenheiten, in einem organisierten Rahmen zusammenzukommen und voneinander zu lernen. Das ist etwas anderes als Online-Veranstaltungen, auch wenn diese ebenfalls hilfreich sind. Es ist gut, ein- oder zweimal im Jahr Treffen abzuhalten, und ich hoffe, dass die DW Akademie diese weiterhin organisiert, auch für junge Menschen und Journalisten. 

Welche MIL-Tools haben sich in Ihrer Arbeit als am effektivsten erwiesen?  

Hania Bitar: Ich denke, die beste und effektivste Methode ist es, direkt mit den Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen dabei zu helfen, kritisch über das nachzudenken, was sie lesen oder hören.  

Areena Omar: Ich habe auch festgestellt, dass interaktive Workshops, Leitfäden zur Überprüfung von Fakten und Kampagnen zur digitalen Kompetenz sehr effektiv sind. Wir konzentrieren uns darauf, junge Menschen und Frauen darin zu schulen, Quellen kritisch zu analysieren, Informationen zu überprüfen und verantwortungsbewusst zu teilen. Storytelling und gemeindebasierte Ansätze machen MIL außerdem zugänglicher und relevanter für die lokalen Gegebenheiten. 

Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Ihrer Arbeit?  

Areena Omar: Sowohl Hania als auch ich konzentrieren uns darauf, Gemeinschaften durch Medienkompetenz zu stärken, kritisches Denken zu fördern und insbesondere unter Jugendlichen und Frauen gegen Fehlinformationen und Hassrede vorzugehen. Der Hauptunterschied liegt im Kontext: Im Jemen erschweren Konflikte und eine begrenzte Infrastruktur den Zugang zu verlässlichen Informationen, während in den palästinensischen Gebieten Einschränkungen und digitale Überwachung zentrale Probleme sind. Wir teilen jedoch das Ziel, informierte und widerstandsfähige Gemeinschaften zu schaffen.  

Hania Bitar: Ich denke, dass es im arabischen Kontext auch einige natürliche Gemeinsamkeiten gibt, wie zum Beispiel Sprachbarrieren. 

Haben Sie bereits mit der Zusammenarbeit begonnen?  

Hania Bitar: Noch nicht, aber ich würde sagen, dass dies der erste Schritt war - einfach zusammenzukommen. Der nächste Schritt besteht darin, unseren Kontakt zu stärken, damit wir dann nach weiteren Möglichkeiten suchen können, wie beispielsweise die Beantragung einer gemeinsamen Finanzierung. Wir sind noch nicht so weit, dass wir wissen, wie wir von der Expertise der anderen profitieren können. Aber als geografische Vertreterin der arabischen Staaten (im Global Board der MIL Alliance der UNESCO) muss ich mehr über die Situation im Jemen erfahren, darüber, wie MIL dort in der Gesellschaft funktioniert und welche Herausforderungen es gibt.  

Areena Omar: Das MIL-Treffen in Amman hat Bereiche aufgezeigt, in denen sich unsere Arbeit überschneidet. Ich hoffe, mit Hania bei regionalen MIL-Initiativen zusammenzuarbeiten und Strategien, Ressourcen und Erfahrungen auszutauschen, um unsere Wirkung in der gesamten Region zu stärken.  

Das MIL-Treffen, das Teil der Dreijahresstrategie für die palästinensischen Gebiete und Jordanien ist, wird vom BMZ unterstützt.