Wie KI funktioniert und für Medienkompetenz wichtig ist

KI prägt unseren täglichen Umgang mit Informationen. Was bedeutet das für Medien- und Informationskompetenz?

Symbolbild Kinder, die soziale Medien nutzen
Bild: HalfPoint Images/IMAGO

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der neuen DW Akademie Publikation „MIL Heroes and Villains in the Age of AI": Joseph van de Port und Roslyn Kratochvil Moore erweitern das ursprüngliche Handbuch für Lehrendeum das Themenfeld Künstliche Intelligenz (KI). Das Handbuch vermittelt Lehrenden von Medienkompetenz das nötige Selbstvertrauen, die Klarheit und die Werkzeuge, um Diskussionen über KI in ihrer Arbeit zu moderieren und zu begleiten.

Wandel durch künstliche Intelligenz (KI): Was hat sich verändert?

KI ist nicht neu. Neu ist ihre Sichtbarkeit.

KI hat sich von einer verborgenen Infrastruktur zu einer alltäglichen Erfahrung entwickelt: Werkzeuge, die früher still im Hintergrund arbeiteten, werden heute direkt in der alltäglichen Kommunikation genutzt. Systeme, die Suchergebnisse sortieren, Inhalte filtern, Texte übersetzen oder Videos empfehlen, sind nun sichtbar, interaktiv und breit zugänglich geworden. Generative KI hat diesen Wandel beschleunigt. Menschen können heute mit Hilfe von KI sehr schnell Texte, Bilder, Audio‑ und Videoinhalte erstellen – oft ohne technische Vorkenntnisse.

Für Medienkompetenz (MIL) bedeutet das: KI ist kein Spezialthema mehr. Sie prägt unsere täglichen Informationsumgebungen.

Drei zentrale Veränderungen für Medienkompetenz

  1. KI ist in den Vordergrund gerückt: Menschen begegnen KI‑Systemen nun direkt und nutzen sie aktiv, statt nur unbemerkt von ihnen beeinflusst zu werden.
  2. KI beeinflusst, wie wir kommunizieren, und wer kommuniziert: KI formt Feeds, Empfehlungen, Moderation, Übersetzungen, Assistenzsysteme und synthetische Inhalte. Sie beeinflusst, wie Menschen sich ausdrücken, miteinander interagieren und Nachrichten empfangen – häufig ohne das zugrunde liegende System wahrzunehmen. 
  3. KI verändert, was „Information verstehen“ bedeutet: Wenn Inhalte endlos und überzeugend erzeugt werden können, muss MIL nicht nur Inhalte, sondern auch die dahinterliegenden Systeme einbeziehen.

Die zentrale Frage verschiebt sich von: „Ist das wahr?“ zu: „Welches System hat das erzeugt und warum?“

Wie KI funktioniert (ohne Fachjargon)

KI lässt sich mit einer Kernidee erklären: KI denkt oder versteht nicht. Sie lernt Muster aus Daten und trifft Vorhersagen.

KI‑Systeme lernen:

  • was zusammengehört,
  • was typischerweise aufeinander folgt,
  • was ähnlich oder unterschiedlich aussieht.

Aus diesen Mustern erzeugen KI-Systeme Texte, Bilder, Rankings oder Empfehlungen. KI klingt intelligent, weil ihre Vorhersagen oft sinnvoll wirken und nicht, weil das System Wahrheit, Absicht oder Konsequenzen versteht.

Worin ist KI gut?

KI arbeitet besonders gut bei klar definierten Zielen und ist zunehmend in der Lage, komplexere Aufgaben zu bewältigen. Deshalb kann sie flüssige Texte schreiben, Bilder erkennen, Medien erstellen oder Vorlieben vorhersagen. All dies sind musterreiche Aufgaben.

Worin ist KI nicht gut?

KI stößt an Grenzen, wenn: 

  • sich der Kontext schnell ändert,
  • Aufgaben ein reales Urteilsvermögen erfordern,
  • Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden müssen,
  • Werte, Fairness oder Folgen eine Rolle spielen.

Deshalb kann KI überzeugend klingen und dennoch falsch liegen, sensible Situationen missverstehen oder übersehen, was für Menschen offensichtlich ist. Das sind kontextreiche, urteilslastige Aufgaben.

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Wo begegnet uns KI im Alltag?

KI ist oft unsichtbar in unsere alltägliche Kommunikation eingebettet.

  • Inhalte, die Menschen vorgeschlagen werden: Feeds, Suchergebnisse, Empfehlungen
  • Inhalte, die Menschen erstellen: Text, Chatbots, Bildtools
  • Kommunikation anderer: Automatisierte Antworten, zielgerichtete Botschaften, Betrugsversuche
  • Moderation und Filterung: Entfernen von Inhalten, Einschränkung der Sichtbarkeit
  • Alltägliche Werkzeuge: Navigation, Übersetzung, Fotobearbeitung, Assistenzsysteme

KI ist kein eigenständiges Produkt. Sie ist eine Technologie innerhalb unserer Kommunikationsinfrastruktur.

Warum verändert KI die Medienumgebung?

Künstliche Intelligenz schafft keine völlig neue Medienwelt. Sie verändert jedoch, wie Medien in der Praxis funktionieren. Das macht eine Neubewertung von Medien- und Informationskompetenz notwendig.

KI macht Medien:

  • schneller,
  • stärker personalisiert,
  • und weniger transparent in ihren Entscheidungsprozessen.

Dadurch beeinflusst KI zunehmend:

  • welche Inhalte gezeigt oder verborgen werden,
  • in welchen Zusammenhängen Botschaften gerahmt sind,
  • wie schnell sich Informationen verbreiten,
  • und wie Menschen das, was sie sehen, interpretieren.

Die Medienumgebung verschiebt sich von einer primär menschlich gesteuerten zu einer zunehmend automatisierten und personalisierten. Einfluss wird schwerer erkennbar, Verantwortung schwerer zuzuordnen und Auswirkungen schwerer zu reflektieren.

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Was bedeutet Medienkompetenz im KI-Zeitalter?

Das Kernziel von Medien- und Informationskompetenz (MIL) bleibt unverändert: Menschen dabei zu unterstützen, Medienumgebungen zu verstehen, zu hinterfragen und sich in ihnen so zu bewegen, dass Handlungsfähigkeit, Teilhabe und informierte Entscheidungen möglich sind.

Warum Medienkompetenz heute wichtiger ist denn je

  • Zugang umfasst jetzt auch das Verständnis dafür, wie KI-Systeme Inhalte auswählen und filtern.
  • Analyse bedeutet, Automatisierung, synthetische Medien und verborgenen Einfluss zu erkennen.
  • Erstellen erfordert einen verantwortungsvollen Einsatz von KI‑Tools und ein Bewusstsein für deren Auswirkungen.
  • Reflexion hilft, innezuhalten, wenn Emotionen ausgelöst oder manipuliert werden.
  • Handeln konzentriert sich auf praktische Gewohnheiten rund um Datenschutz, Sicherheit und Vertrauen.

KI‑Kompetenz ersetzt Medien- und Informationskompetenz nicht - sie macht sie noch wichtiger.