KI-Plattform gewinnt Media Loves Tech — Programm ausgeweitet

Fundierte Berichterstattung und gutes Schreiben sind die Grundlagen für starken Journalismus. Heute benötigen Journalistinnen und Journalisten jedoch auch technische Kenntnisse und zunehmend auch Fähigkeiten im Umgang mit KI. Für Softwaretechniker Mohamed Amine Macherki und Informatikstudent Fares Mallouli, zwei junge Unternehmer aus Mahdia und Sfax, Tunesien, sind solche Fähigkeiten das Rückgrat ihres Start-ups DJO. Die KI-gestützte Plattform integriert tunesische Dialekte effizient, schnell und korrekt, sodass Medienschaffende leichter auf ihr Publikum zugeschnittene Berichte erstellen können.
Diese Innovation verhalf DJO zum Gewinn des mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreises beim diesjährigen MEDIA LOVES TECH-Wettbewerb. Die jährliche Veranstaltung wird von der DW Akademie in Tunesien organisiert, um Medien-Start-ups und Projekte im Medienbereich zu fördern und auszuzeichnen. In diesem Jahr ging DJO als Sieger hervor, eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die tunesischen Journalistinnen und Journalisten mit einer technologiegestützten Lösung bei der Transkription, Übersetzung und Erstellung von Inhalten hilft.
„Wir möchten tunesischen Medienschaffenden ein einfaches und effektives Tool zur Verfügung stellen, das die lokalen Dialekte verarbeiten kann“, so Mallouli. „Dank KI können wir diesen Bedarf endlich erfüllen.“
Auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten
Im Wesentlichen konzentriert sich DJO auf eine anhaltende Herausforderung in den tunesischen Medien: die effektive Arbeit mit dem lokalen Dialekt Derja. Die Plattform nutzt KI, um nahtlose Transkriptions- und Übersetzungsdienste für Audio- und Textinhalte zu erstellen und gleichzeitig die Funktionen für Radio, Podcasting und Archivierung zu verbessern. Das Ziel ist ehrgeizig, aber dennoch praktikabel: DJO hilft Nutzenden, ihre Daten zu verstehen und sinnvoll mit ihnen zu interagieren.

Darüber hinaus macht ihre wettbewerbsfähige Preisgestaltung mit nur 500 tunesischen Millimes (etwa 15 Cent ) pro Stunde Transkription die Plattform für den tunesischen Markt zugänglich und positioniert sie gleichzeitig als hundertprozentige tunesische Lösung mit lokalem Kundenservice und flexiblen Funktionen.
Laut Gründer Mallouli war die Teilnahme am MEDIA LOVES TECH-Programm der DW Akademie entscheidend für die Weiterentwicklung des Ansatzes von DJO.
„Die Inkubationsphase hat uns viel gelehrt, insbesondere wie wir mit unseren Nutzenden kommunizieren und ihre Probleme erkennen können“, sagte Mallouli.

Die Gewinner des MEDIA LOVES TECH 2025 Hauptpreises, DJO (Fares Mallouli und Mohamed Amine Macherki, Mitte, von links nach rechts), posieren bei der Preisverleihung in Tunesien mit Jens-Uwe Rahe (ganz links), Head of Department Middle East/North Africa der DW Akademie, und DW-Journalist Moncef Slimi (rechts) von DW Arabic.
Die Gründer von DJO nahmen auch Kontakt zu Journalistinnen und Journalisten aus dem Netzwerk von SMART MEDIA ACCELERATOR auf, um ihren Vorschlag zu validieren und anzupassen, wodurch sie ihr Verständnis für die Marktbedürfnisse vertiefen konnten. Die Jury lobte die Relevanz und technische Qualität des Projekts.
„DJO verbindet erfolgreich technologische Innovation mit einem Verständnis für lokale Bedürfnisse“, sagte Jens-Uwe Rahe, Head of Department Middle East/North Africa der DW Akademie, der in Tunis war, um DJO den Preis zu überreichen. „Die Lösung des Unternehmens adressiert eine konkrete Herausforderung für tunesische Redaktionen.“
Der diesjährige Wettbewerb war ein Novum, da er eine Online-Vorinkubationsphase umfasste. Drei Monate lang konnten 53 Teams ihre Projekte auf einer speziellen Plattform testen und verfeinern. Die besten 17 Projekte schafften es in die finale Inkubationsphase, in der sie zusätzliche Unterstützung von den Expertinnen und Experten von MEDIA LOVES TECH erhielten. Vier Projekte schlossen das ambitionierte Inkubationsprogramm schließlich erfolgreich ab.
Die Preisverleihung fand im Rahmen des „DW Akademie Day Tunis“ statt und bot Gelegenheit zu Workshops unter der Leitung von Medienunternehmen wie BE-Syiessah, Blue TN, QLM, MOOM, Tunisia Podcasts und Yaluna, die alle in der Vergangenheit von der Initiative SMART MEDIA ACCELERATOR profitiert haben.
Bei der Zeremonie wurden drei weitere Finalistenprojekte vorgestellt:
- Sens of Art: sowohl ein Print-Kulturmagazin als auch eine Medienplattform, die nordafrikanische Kunstschaffende in den Fokus rückt. Gegründet von Faten Fellah.
- Pinch of Pop!: Ein zweisprachiges Webzine, das Musik und Geschichten präsentiert, um Gemeinschaften über Grenzen hinweg miteinander zu verbinden. Gegründet von Ahlem Kattab.
- Tout Plaquer: Ein hybrides Medienkonzept, das originelle Inhalte und Ressourcen zum Umdenken im eigenen Leben bereitstellt. Gegründet von Bahia Nar.
Ein wachsendes Programm
Auch nach acht Ausgaben zeigt MEDIA LOVES TECH, wie wichtig Kontinuität und Innovation für neue Medien sind, die versuchen, sowohl in der Branche Fuß zu fassen als auch dynamische Wege zur Berichterstattung zu finden. Der SMART MEDIA ACCELERATOR hat sich als Mittel zur Stärkung der Projektqualität bewährt und unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, Erfahrungen zu sammeln und in ihrem Beruf zu reifen. Das Programm hat sich als erfolgreich beim Aufbau eines unabhängigen Medienökosystems in Tunesien erwiesen, indem es Fachwissen, Networking und Austausch fördert.
Aufbauend auf diesen Erfahrungen wird der SMART MEDIA ACCELERATOR in den nächsten drei Jahren in der gesamten Region ausgeweitet. Ab 2026 wird das Programm in Tunesien, Marokko, Algerien und Libyen angeboten.
Seit 2023 sind sowohl MEDIA LOVES TECH als auch MEDIA PARCOURS Teil des SMART MEDIA ACCELERATOR, einer Initiative der DW Akademie. Ziel ist es, Medien-Start-ups in der Prototyp-Phase zu identifizieren und zu unterstützen sowie bereits etablierte Medien zu stärken. Der SMART MEDIA ACCELERATOR wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Das Projekt arbeitet mit On en parle! Tunisie 360° zusammen, einem von der Europäischen Union finanzierten Projekt. Das Programm MEDIA LOVES TECH wird in Zusammenarbeit mit Al Khatt entwickelt, einer tunesischen Organisation, die sich für Presse- und Meinungsfreiheit einsetzt, das investigative Medienunternehmen Inkyfada sowie ein Ideenlabor zur Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter betreibt.