Erfüllt die internationale Medienentwicklung OECD-Standards?

2024 veröffentlichte die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Grundsätze für eine relevante und wirksame Unterstützung von Medien und des Informationsumfelds. Die Dachorganisation „Global Forum for Media and Development“ (GFMD) und das „Center for International Media Assistance“ hatten diesen Meilenstein in intensiven Konsultationen begleitet.
Doch wie gut erfüllt der Sektor der Medienentwicklungszusammenarbeit (MEZ) diese Prinzipien? Wo leistet er wichtige Beiträge? Und in welchen Punkten sind Verbesserungen erforderlich?
Diesen Fragen ist DW Freedom in einer umfassenden Studie nachgegangen. Sie basiert auf wissenschaftlichen Interviews mit 76 Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt sowie auf einer Online-Umfrage, die an alle 203 GFMD-Mitgliedsorganisationen und zusätzlich an Partnerorganisationen der elf größten internationalen Medienentwicklungsorganisationen verschickt wurde. An der Datenerhebung, die zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 stattfand, waren Forschende aus unterschiedlichen Weltregionen beteiligt. MEZ-Organisationen und Mittelgeber finden in der Studie Empfehlungen für eine verbesserte Praxis.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
In vielen Punkten, beispielsweise in Bezug auf Risikoanalysen oder die Stärkung marginalisierter Gruppen, ist die MEZ laut der Studie gut aufgestellt. Die Untersuchung zeigt auch, dass MEZ-Organisationen in ihrer Arbeit inzwischen deutlich häufiger auf lokales Fachwissen setzen, statt internationale Experten „einzufliegen“. Zwei Drittel der befragten lokalen und regionalen Organisationen geben an, dass sie sich sinnvoll in die Projektdurchführung einbezogen fühlen.
Der Bericht hat jedoch auch Verbesserungspotenzial identifiziert:
- Finanzielle Unterstützung: Über 80 Prozent der befragten Medienentwicklungsorganisationen geben an, dass die Förderung unabhängiger Medien mehr Mittel benötige.
- Administrativer Aufwand: Nur 33 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Geber effiziente Verfahren für die Verwaltung von Mittel bereitstellten. Es bestehe eine dringende Notwendigkeit, die Berichtsanforderungen zu harmonisieren und je nach Kontext flexibler zu gestalten.
- Koordination: 70 Prozent der Befragten bemängeln, dass es in Krisenzeiten keine ausreichend schnelle Koordinierung im Bereich der Medienentwicklung gebe.
- Analysen des Medien- und Informationsumfelds: Interviews ergaben, dass der MEZ-Sektor zwar große Stärken im Bereich der Forschung und Analysen habe, es aber teilweise Defizite bei der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis gebe.
Medienentwicklung an einem kritischen Punkt
Die Daten wurden vor und zu Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump erhoben. Die Entscheidung der neuen US-Regierung, die Auslandshilfen abrupt einzufrieren, traf den internationalen Medienentwicklungssektor und viele unabhängige Medienhäuser im Globalen Süden hart. Der Bericht berücksichtigt diese jüngsten Entwicklungen in dem Vorwort von Carsten von Nahmen, Managing Director der DW Akademie, und einem einleitenden Artikel von Nick Benequista, Senior Director des Center for International Media Assistance, sowie durch Interviews mit regionalen Expertinnen und Experten.
Obwohl sich die Medienentwicklung somit aktuell in einer äußerst schwierigen Lage befindet, erinnern die OECD-Grundsätze daran, dass Panik ein schlechter Ratgeber ist. Verstärkte Unterstützung durch andere oder neue Mittelgeber sei jetzt wichtiger denn je, heißt es in einem Aufruf, der von führenden Medienentwicklungsorganisationen, darunter die DW Akademie, initiiert wurde. Auch neue Geber und Akteure sind angehalten, den OECD-Grundsätzen gerecht zu werden. Die Empfehlungen des Berichts liefern hierfür wertvolle Hinweise.

