DW Akademie in Syrien

Nach dem Regimesturz in Syrien bietet sich eine historische Chance für die Medien im Land – doch sie stehen auch vor zahlreichen Herausforderungen und einer volatilen Sicherheitslage.

Syrien | DW Akademie | TTT Workshop Damaskus
Bild: DW

Syrien steht nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 vor tiefgreifenden Veränderungen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten besteht die Möglichkeit für den Aufbau von demokratischen Strukturen. Allerdings wiegen die Hinterlassenschaften der jüngsten Vergangenheit schwer. Unter der Herrschaft von Baschar al-Assad (2000–2024) wurden nach Schätzungen Hunderttausende inhaftiert, viele von ihnen gefoltert oder sind verschwunden. Exakte Zahlen sind schwer zu ermitteln. Proteste gegen die Assad-Diktatur und Korruption mündeten in einem Bürgerkrieg (2011-2024), der laut UN-Menschenrechtsbüro allein in den ersten 10 Jahren mehr als 300,000 Menschen das Leben gekostet hat. 

Für den Mediensektor bietet sich ebenfalls eine historische Chance zum Aufbau einer freien, professionellen und pluralistischen Landschaft. Einige staatliche Medien, früher Sprachrohr des Regimes, haben den Betrieb wieder aufgenommen und ihre redaktionellen Richtlinien überarbeitet. Public-Interest-Medien, die im Exil gegründet wurden und von dort aus operierten, kehren zurück und versuchen, Strukturen vor Ort aufzubauen. Sie sehen sich dabei einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber: einer bisher ungeklärten, staatlichen Regulierung, Infrastruktur-Problemen und mangelnder Qualifizierung – ganz abgesehen von der nach wie vor volatilen Sicherheitslage. 

Unser Engagement 

Mit ihren Aktivitäten in Syrien (seit Ende 2024) schließt die DW Akademie an frühere Maßnahmen im Bereich Qualifizierung (bis 2011) und an Projekte mit Syrerinnen und Syrern im Exil an: Seit Ende 2024 (bis Ende Januar 2026) implementiert die DW Akademie das Projekt “Change the playing field: Resilient against disinformation” im Rahmen des GIZ-Vorhabens “BRIDGE Syria: Empowerment of civic engagement of Syrian civil society” durch, finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Eine aktuelle interne Studie zur Verbreitung von Desinformation nach dem Sturz des Assad-Regimes, dient zudem als Basis für die Erstellung eines Toolkits. Es richtet sich an Journalistinnen und Journalisten und Nichtregierungsorganisationen, die ihre Community für das Thema Desinformation sensibilisieren wollen. Im Rahmen des Projekts werden 16 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. 

In dem vom BMZ finanzierten Vorhaben steht die Stärkung von Schlüsselakteurinnen und -akteuren des neuen Mediensystems im Vordergrund. Ein lokaler Pool an Trainerinnen und Trainer bildet hierfür die Basis. Komplementär ist eine Informationsreise nach Deutschland geplant, die verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen syrischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern Einblicke in ein demokratisches Mediensystem vermittelt. 

Das vom Auswärtigen Amt (AA) finanzierte Projekt „Strong Female Voices“ (Ende 2025-Ende 2026) stärkt Medienschaffende und Entscheidungsträgerinnen und -entscheider im syrischen Mediensektor und in der Zivilgesellschaft durch Qualifizierung, Wissenstransfer und die Förderung von Netzwerken, um Desinformation und geschlechtsspezifischer Online-Gewalt entgegenzuwirken. Zu den Aktivitäten gehören die Durchführung einer Studie zu “Gender-Based Violence Online” (GBVO) in Syrien, eine Delegationsreise nach Deutschland, die Qualifizierung von Journalistinnen und Journalisten, die Umsetzung von Konzepten zur Bekämpfung von GBVO durch lokale Medien, Netzwerkveranstaltungen sowie die Produktion von 12 Videos, die gendersensible Berichterstattung berücksichtigen. In einem Wettbewerb werden die besten drei Videos ausgezeichnet. Die Ergebnisse des Projekts werden veröffentlicht auf der Plattform https://www.mediaagainstgbvo.com 

Mittelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Auswärtiges Amt (AA) 

Program Director: Mona Naggar 

Einsatzorte: Damaskus, Aleppo, Homs 

Schwerpunkte: Gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Informationen, Professionalisierung und Journalismusausbildung 

Den nächsten Abschnitt Kontakt überspringen

Kontakt